"Ich begann in den frühen 60er Jahren, Texte von Gertrude Stein zu lesen", sagte Wilson heute in Berlin. "Ihre Art, Worte zu konstruieren, hat mich fasziniert." Die US-Literatin Getrude Stein (1874-1946) hatte den Prosa-Stil durch bewußte Monotonie und Wortwiederholungen revolutioniert. Premiere von "Saints and Singing" ist am 4. November.
"Saints and Singing" sei sehr abstrakt, sagte Wilson. Vor allem für junge Menschen sei es aber wichtig zu erfahren, daß es auch in abstrakten Darstellungen eine tiefere Bedeutung gebe. "Viele Schauspieler haben Schwierigkeiten, abstrakt zu denken."
Wie bereits bei Wilsons Produktion "Doctor Faustus Lights the Lights" in Berlin aus dem Jahr 1992 wird auch bei "Saints and Singing" die Musik eine große Rolle spielen. Wilsons Partner ist der Komponist Hans Peter Kuhn aus Berlin.
Kuhn hat für die Schauspieler eine Art Musical, eine "Operetta", komponiert. Live-Musik und Live-Songs werden dabei gemischt mit Musik, die bereits im Vorfeld über Computer eingespeist ist. "Es war eine Herausforderung, Musik zu einem Text zu schreiben, der durch seine Struktur bereits selbst Musik ist", sagte Hans Peter Kuhn. Schon seit vier Jahren arbeiten Wilson und Kuhn an der Realisierung des Projektes. "Saints and Singing" bringt das Hebbel-Theater in Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, dem Theater am Turm in Frankfurt am Main, La Filature Mühlhausen, De Singel Antwerpen und dem Piccolo Teatro Mailand auf die Bühne. Nach der Uraufführung und einigen Vorstellungen im Hebbel-Theater geht das Stück auf Tournee und wird unter anderem auch in Belfast gezeigt. Ab Dezember ist "Saints and Singing" bis April 1998 in der Schaubühne Berlin zu sehen.
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